Das Himmelbauer Presshaus steht wuchtig und selbstbewußt da: Es verbirgt sich ja auch nicht irgendein Keller darunter. Gezählte 51 Stufen führen in die dämmrige Tiefe, wo dickbäuchige Fässer dem mächtigen Rund der Gewölbe Antwort geben. Keiner weiß, wie alt dieser ungewöhnlich große Weinkeller wirklich ist. Kann sein, er entstand vor weit mehr als zweihundert Jahren als Robot- und Zehentkeller des Stiftes Melk. Um 1880 kamen dann noch seltsam feierliche Portale in einem kunstvoll gewölbten Raum dazu. Hier, 24 Meter unter den Weingärten, wird das Verkosten und das Trinken unversehens zum sinnlichen Ritual. Glasklarer Weißwein, frisch und duftig, dunkler, kräftiger Rotwein: So schmeckt das Land ringsum.

Nach und nach verebben die Gespräche und machen einem genießerischen, anerkennenden Schweigen Platz. Das sparsame Licht hier unten zeichnet keine harten Konturen, sondern schafft nur eine winzig kleine, matt leuchtende Welt, die unmerklich durch ein schwarzes Universum treibt. Hier geht es beim Kosten nicht um die Audienz bei einer kelternden Modeerscheinung, sondern um gemeinsames Genießen, um eine schöne Zeit im Keller, um die behagliche, sensible und genußreiche Auseinandersetzung mit einem Mysterium namens Wein.

 

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